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Wärmepumpen 2026 — Marktdaten und Realität
Nach dem politisch verursachten Absatzeinbruch 2024 sortiert sich der Markt 2026 neu. Die technische Lage ist robuster, als die öffentliche Debatte es vermuten lässt — die sozialpolitische Lage ist fragiler.
Wenn man im Frühjahr 2026 mit Heizungsbauern und Energieberatern spricht, hört man eine merkwürdige Mischung aus operativem Realismus und politischem Frust. Operativer Realismus, weil die Wärmepumpe technisch in den meisten Bestandsgebäuden sauber funktioniert, sobald die Heizlast ehrlich berechnet ist. Politischer Frust, weil die öffentliche Debatte seit 2023 ein Lärmpegel ist, der die nüchterne Datenlage übertönt. Beides zusammen erklärt ziemlich genau, warum der deutsche Wärmepumpen-Markt 2026 ein Drittel kleiner ist, als die Klimaziele eigentlich verlangen würden.
Die Größenordnungen für den Absatz, aggregiert aus den Quartalsmeldungen von BWP (Bundesverband Wärmepumpe) und BDH (Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie): 2023 wurden rund 360.000 Wärmepumpen verkauft, der historische Hochpunkt. 2024 brach der Absatz auf etwa 210.000 ein — ein Minus von rund 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr, ausgelöst durch die Verunsicherung in der Heizungsgesetz-Debatte und die kurzfristige Verschiebung der Förderkulisse. 2025 erholte sich der Markt teilweise auf circa 245.000 Geräte. Das erste Quartal 2026 zeigt vorläufig rund 70.000 verkaufte Einheiten, was bei normaler saisonaler Verteilung auf eine Hochrechnung von etwa 300.000 Geräten für das Gesamtjahr 2026 hindeutet. Das ist eine Erholung, aber kein Wachstum auf das politisch nötige Niveau von rund 500.000 jährlich, das im Koalitionsvertrag 2021 als Zielmarke skizziert war.
Politik: ein Gesetz, das wirkt — anders als geplant
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG), umgangssprachlich als „Heizungsgesetz” bekannt, ist seit dem 1. Januar 2024 in Kraft. Es schreibt vor, dass neue Heizungen in Neubaugebieten zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen — im Bestand erst nach Vorliegen einer kommunalen Wärmeplanung, was für Großstädte spätestens Mitte 2026, für kleinere Gemeinden spätestens Mitte 2028 vorgesehen ist. Im Praxis-Alltag bedeutet das, dass in den meisten Kommunen 2026 noch ein faktisches Ölheizungs-Moratorium nicht greift. Was greift, ist ein Erwartungs-Effekt: Hauseigentümer wissen, dass ihre Ölheizung in spätestens fünf bis sieben Jahren keine Sanierungs-Förderung mehr bekommt, und ziehen die Investitionsentscheidung vor — oder schieben sie auf, weil die Kalkulation in der Bestandssanierung schwierig bleibt.
Die BEG-Förderung (Bundesförderung effiziente Gebäude) ist 2025 nachjustiert worden: Die Grundförderung für den Heizungstausch liegt bei 30 Prozent, der einkommensabhängige Bonus für selbst genutzte Bestandsimmobilien bei zusätzlichen 30 Prozent, ein Klimageschwindigkeits-Bonus von 20 Prozent für den Tausch alter fossiler Heizungen vor 2028, gedeckelt durch einen Maximalbetrag von 30.000 Euro pro Wohneinheit. Wer alle Boni stapeln kann, kommt auf bis zu 70 Prozent Zuschuss — aber nur, wenn die alte Heizung vor dem Tausch nachweislich noch funktioniert. Diese Bedingung produziert ein Paradox, das im Markt vielfach beklagt wird: defekte Heizungen werden notgedrungen kurzfristig repariert, um die Förderung anschließend nicht zu verlieren.
Im Hintergrund spannt sich die europäische EE-RL-2 auf, die ab 2027 deutliche Verschärfungen beim Einsatz von Heizöl im Neubau und der Sanierungsförderung vorsieht. Die nationale Umsetzung ist im Frühjahr 2026 noch nicht abgeschlossen — sie wird ein wesentlicher Treiber für die zweite Hälfte des Jahrzehnts.
Technik: solider als der öffentliche Diskurs vermuten lässt
Wer den öffentlichen Diskurs der Jahre 2023 und 2024 verfolgt hat, könnte den Eindruck gewinnen, Wärmepumpen seien eine experimentelle Technologie. Sie sind das genaue Gegenteil. Realistische COP-Werte (Coefficient of Performance) heutiger Luft-Wasser-Wärmepumpen in Bestandsgebäuden liegen je nach Außentemperatur und Vorlauftemperatur des Heizsystems im Jahresmittel — also als Jahresarbeitszahl, kurz JAZ — zwischen 3,5 und 4,5. Sole-Wasser-Geräte mit Erdsonde erreichen 4,2 bis 5,0. Das heißt konkret: aus 1 kWh Strom werden 3,5 bis 5 kWh Wärme.
Die Auslegung entscheidet über Kosten und Behaglichkeit. Eine monovalente Auslegung — die Wärmepumpe trägt die gesamte Heizlast — funktioniert in Bestandshäusern mit ungedämmter Fassade nur, wenn man bereit ist, größere Vorlauftemperaturen zu fahren (was die JAZ drückt) oder die Heizflächen zu vergrößern (was Kosten und Eingriffe bedeutet). Eine bivalente Auslegung — die Wärmepumpe deckt den Hauptteil, ein Spitzenlast-Erzeuger springt an wenigen Tagen ein — ist in vielen Bestandsfällen das pragmatische Optimum. Sie ist im neuen GEG ausdrücklich möglich.
Wo es in dichter Bebauung kniffliger wird, sind zwei Themen: Schall und Platz. Außeneinheiten von Luft-Wasser-Wärmepumpen erzeugen je nach Modell zwischen 38 und 52 dB(A) in einem Meter Entfernung — bei dichten Reihenhausgrundstücken in NRW oder im Süden Berlins führt das zu nachbarschaftlichen Konflikten, die im Bau- und Immissionsschutzrecht nicht trivial zu klären sind. Die TA Lärm gibt nachts in reinen Wohngebieten 35 dB(A) am Immissionsort vor — die Geräte schaffen das, aber die Aufstellung muss sorgfältig geplant werden.
Die Sanierungskosten sind das andere Thema. Ein realistischer Korridor für ein Einfamilienhaus aus den 1970er- bis 1990er-Jahren liegt bei 18.000 bis 35.000 Euro für Wärmepumpe inkl. Hydraulik, Pufferspeicher, eventuellem Heizkörper-Tausch in Schlüsselräumen, Elektriker-Anschluss und Inbetriebnahme — vor Förderung. Nach Vollförderung bleiben oft 8.000 bis 14.000 Euro Eigenanteil. Das ist deutlich mehr als ein Eins-zu-Eins-Tausch der alten Gasbrennwerttherme (typisch 9.000 bis 14.000 Euro), aber die laufenden Kosten fallen niedriger aus, sofern der Strompreis nicht weiter über den Gaspreis hinauseilt.
| Marktdaten Wärmepumpen | Größenordnung |
|---|---|
| Absatz 2023 | ~360.000 |
| Absatz 2024 | ~210.000 |
| Absatz 2025 | ~245.000 |
| Q1 2026 vorläufig | ~70.000 |
| Hochrechnung 2026 | ~300.000 |
| Politisches Zielniveau | ~500.000 / Jahr |
Diese Größenordnungen stammen aus den BWP/BDH-Quartalsmitteilungen und der AGEB-Aufstellung zur Wärmeerzeugung. Sie zeigen einen Markt, der nach dem Bruch von 2024 zurückkommt, aber nicht in das Tempo, das die Klimaziele 2030 verlangen.
Hinzu kommt eine Strukturverschiebung im Bestand der Anbieter, die im Marktbild leicht übersehen wird. Bis 2022 dominierten die deutschen Volumenhersteller Viessmann, Vaillant, Bosch (Buderus, Junkers) und Stiebel Eltron das Segment der Wohnungs-Wärmepumpen mit zusammen rund 80 Prozent Marktanteil. Mit dem Einstieg der polnischen, baltischen und asiatischen Anbieter — Panasonic-Aquarea, Daikin, Mitsubishi, LG Therma V, Samsung — und mit der Übernahme der Wärmepumpen-Sparte von Viessmann durch Carrier im Jahr 2023 hat sich die Marktstruktur sichtbar verändert. Der Anteil ausländischer Anbieter im Wohnungsneubau und in der Bestandssanierung lag im Geschäftsjahr 2025 nach BDH-Statistik bei etwa 35 Prozent. Das ist nicht dramatisch — die deutschen Marken bleiben dominant —, aber es zeigt, dass die Technologie reif ist und die Wertschöpfung in Europa breiter verteilt.
Eine Frage, die ebenfalls oft im öffentlichen Diskurs übersehen wird, ist die der Kältemittel. Klassische Wärmepumpen arbeiten mit teilfluorierten Kältemitteln (HFKW), die unter die F-Gas-Verordnung der EU fallen. Mit der 2024 verschärften Verordnung müssen Hersteller bis 2027 auf alternative Kältemittel mit niedrigerem Treibhauspotenzial (insbesondere R290 / Propan) umstellen. Die meisten 2026 verkauften Geräte sind bereits R290-Geräte; das löst die Kältemittel-Frage, eröffnet aber kleinere Brandschutz-Anforderungen bei der Außenaufstellung. Auch diese Anpassung läuft technisch sauber, sie wird vom Markt verkraftet.
Die Wärmewende ist technisch machbar — das demonstriert jedes ehrlich gerechnete Pilotprojekt — aber sie ist sozialpolitisch fragil. Wenn die nächste Bundesregierung die Förderkulisse erneut umbaut oder die kommunale Wärmeplanung blockiert, wird der Markt ein weiteres Mal einbrechen. Wenn sie ihn stabil hält, kommen wir vielleicht bis 2030 auf die kumulierte Größenordnung von vier Millionen installierter Wärmepumpen, die im Klimaschutzgesetz steckt. Vielleicht. Was auch immer politisch passiert, eines steht fest: die installierte Basis von heute rund 1,8 Millionen Wärmepumpen in deutschen Wohngebäuden wird in den kommenden Jahren zu einer relevanten flexiblen Last im Stromnetz — Smart-Grid-Steuerung mit dynamischen Stromtarifen wird in den nächsten zwei Jahren der nächste sichtbare Innovationsschritt sein, und die Hersteller, die ihn am saubersten technisch integrieren, werden die Marktposition halten, die sie heute haben.